Worte wirken Wunder

wie diese in einem Gedicht des polnischen Dichters
CZESŁAW MIŁOSZ. Spür in dich hinein, BEVOR du dir das Gedicht – am besten laut – vorliest – und spür DANACH nochmals in dich heinein.

also JETZT bist du davor ;-). Spür mal kurz aufmerksam durch deinen Körper.

Gabe
Der Tag war so glücklich.
Der Nebel fiel früh herab, ich hatte im Garten zu schaffen
Die Kolibris rasteten an der Blüte des Kaprifoliums.
Es gab in der Welt kein Ding, das ich hätte haben wollen.
Ich kannte niemanden, den ich beneiden müßte.
Was Böses geschehen war, hab ich vergessen.
Ich schämte mich nicht zu denken, ich sei, wer ich bin.
Ich spürte keinerlei Schmerz im Leibe.
Aufgerichtet sah ich das blaue Meer und die Segel.

Berkeley, 1971

Und jetzt wieder durch den Körper spüren. Einen Unterschied gemerkt?
Wenn nicht, dann hat es nicht geschadet, die Übung des Körperspürenwunders zu vertiefen. Damit du das Wortewirkenwunder vielleicht bei anderen Gedichten erleben kannst.

Dazu ein Zitat von Albert Schweitzer:
Der Mensch braucht Stunden, wo er sich sammelt und in sich hineinlebt.“

PS.: Kaprifolium ist der lateinische Name fürs Gartengeissblatt.

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