{"id":1166,"date":"2012-03-18T13:49:27","date_gmt":"2012-03-18T11:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=1166"},"modified":"2012-03-20T00:03:16","modified_gmt":"2012-03-19T22:03:16","slug":"nach-der-schreibwerkstatt-eine-geschichte-vom-leben-geschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=1166","title":{"rendered":"Nach der Schreibwerkstatt eine Geschichte vom Leben geschrieben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/foto-065.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1167\" title=\"foto 065\" src=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/foto-065-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/foto-065-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/foto-065-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/foto-065.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die liebe Ilse von der <a href=\"http:\/\/www.argeregionkultur.at\/\" target=\"_blank\">ARGE Region Kultur<\/a> hat Freitag und Samstag in Langenlois eine Schreibwerkstatt organisiert, und ich ging hin. Nora Aschacher und <a href=\"http:\/\/www.atelier3a.at\/berdel.htm\" target=\"_blank\">Dieter Berdel <\/a>hoben uns bei diesem Seminar mit ihren vielf\u00e4ltigen SchreibAufgaben und netten Anleitungen in kreative H\u00f6hen. Eine sehr feine Sache. Rundum.<\/p>\n<p>Nach Ende des\u00a0Kurses, der im wunderbaren <a href=\"http:\/\/www.muehlenhof-langenlois.at\/\" target=\"_blank\">M\u00fchlenhof <\/a>in Langenlois stattfand, f\u00fchrte ich noch ein sehr sch\u00f6nes Gespr\u00e4ch mit Sonja, der Frau des Hauses. Dann erst fuhr ich Richtung daheim.<\/p>\n<h2>Danach<\/h2>\n<p>Das Gespr\u00e4ch hat mich die richtige Zeitlang aufgehalten, damit ich am Tettenhengst &#8211; einer kleinen &#8222;Bergstrasse&#8220; nahe Stiefern &#8211; nach einer scharfen Kurve in dunkler Nacht das Auto mit Warnblinkanlage stehen sehe, mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahre und im R\u00fcckspiegel hinter dem Auto das Reh liegen sehe, das sich noch bewegt. Aber keinen Menschen. Der sitzt vermutlich noch voller Schock im Auto und kennt sich nicht aus.<!--more--><\/p>\n<p>Was tun? Stehenbleiben, weiterfahren?<br \/>\nIch mag nach Hause zu einem gem\u00fctlichen Abend. Was willst du bei einem verletzten Reh? Fahr schon, fahr weiter, sagt eine Stimme in mir.<br \/>\nDoch die Entschlossene ist schon aktiv, biegt in den n\u00e4chsten Feldweg ein, h\u00e4lt, stellt den Motor ab, dreht das Licht aus und handelt. Diesen Teil mag ich. Er ist mutig, so ganz ohne Zweifel und diskutiert nicht mehr.<\/p>\n<p>Ich stecke das Telefon ein und steige aus. Finstere Nacht und zum blinkenden Auto doch 100 Meter zu Fuss. Was wird mich erwarten? Blut und Leid, Panik und Drama? Da h\u00f6re ich die Stimme eines jungen Mannes in der Dunkelheit. Also kein geschockter erstarrter Mensch. Das ist gut.<\/p>\n<p>Und als ich n\u00e4her komme, siehe da! &#8211; ist das Reh ein Hund, ein gelber, der, als er mich sieht, aufsteht und mir entgegenl\u00e4uft. Aber nein, ich bin es nicht, auf die er gewartet hat.\u00a0Schwer l\u00e4\u00dft er sich wieder zu Boden fallen. Ich rede ihn an, streichle ihn, er zittert. Ein einziges Zittern dieser Hund. Was ist da los?<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter weiss ich alles, zumindest das, was es zu wissen gibt. Eine Stunde sp\u00e4ter, wo ich es bin, die zittert, vom Warten in der n\u00e4chtlichen K\u00e4lte.<br \/>\nDavid, so heisst der junge Mann, hatte den Hund ruhig am Strassenrand sitzen sehen, sei erst weitergefahren, habe aber sp\u00e4ter doch noch umgedreht und sei zur\u00fcckgekommen. Kurz beim Aussteigen die Unsicherheit, ob der Hund auch friedlich sei und dann die Entspanung. Der Hund ist freundlich, auf den ersten Blick unverletzt, aber k\u00f6rperlich am Ende. Er zittert und zittert und kann kaum ein paar Schritte gehen. So ein armes Tier, was es wohl mitgemacht hat? Wir sind am Rande eines grossen Waldgebiets. Er wird den ganzen Tag herumgeirrt sein, seine F\u00fcsse und sein Bauch sind verkrustet von schwarzem Schlamm, manchmal hustet er.<\/p>\n<p>David hat schon bei der Polizei angerufen. Der Notruf verweist auf die lokale Station, und die ist nicht zust\u00e4ndig. Er solle den Hund ins Tierheim bringen, in die 20km entfernte Stadt, aus der David gerade gekommen ist, m\u00fcde nach einem langen Tag Arbeit. Guter Rat. Aber David ist auch entschlossen, dem Tier zu helfen und ruft seine in der Gegend lebenden Bekannten an &#8211; ob sie w\u00fcssten, wer den gepflegten grossen Hund ohne Halsband vermissen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Doch niemand weiss etwas. David stellt sein Auto hinter das meine, weg von der kurvigen Strasse.\u00a0Die Autos seien langsam vorbeigefahren, einige Fahrer h\u00e4tten gefragt, ob sie helfen k\u00f6nnen, andere nicht. Viel Verkehr ist hier ohnehin nicht. So ein Gl\u00fcck, denn der Hund ist anfangs nur schwer von der Strasse wegzubringen. Aber dann schlie\u00dflich l\u00e4uft er doch mit zu den Autos.\u00a0Mir fallen Karin und Dieter ein, die ich anrufen kann. Freunde, die Hunde lieben und die Gegend gut kennen. Das sind die Richtigen.<br \/>\nKarin nimmt es in die Hand, sofort. Keine Sekunde des Z\u00f6gerns. Sie kennt die Frau vom Tierheim und wird mit ihr gemeinsam Erkundigungen einholen, wem der Hund fehlen k\u00f6nnte. \u00a0Sie wird in f\u00fcnf Minuten zur\u00fcckrufen. Mittlerweile hat auch schon jemand aus Davids Familie versucht, beim Tierheim anzurufen. Dort hebt aber niemand\u00a0ab.<\/p>\n<p>David f\u00e4hrt in den n\u00e4chsten Ort, um Passanten zu fragen, ob denn ein Hund vermisst w\u00fcrde. Eine Zeitlang bin ich mit dem Hund allein. Er, ich und der glitzernde Sternenhimmel. Der Hund zittert, ich streichle und tr\u00f6ste. K\u00e4uzchen rufen, ferne Autoger\u00e4usche, Getrappel von unbekannten F\u00fcssen im Wald. Wie sch\u00f6n es hier ist. Wie oft wir hier\u00a0mit dem Auto gedankenlos vorbeisausen.<br \/>\nAls David von seiner Erkundung zur\u00fcckkehrt, zittert der Hund nicht mehr. Er legt sich hin, liegt zwischen David und mir am Boden, ergeben sich ergebend und f\u00fchlt sich &#8211; vielleicht &#8211; geborgen.<\/p>\n<p>David und ich f\u00fchren Small Talk, sondieren das Gebiet, finden gemeinsame Bekannte, teilen gemeinsames Wissen. Dann der Anruf. Kein Hund fehlt. Aber Dieter wird kommen und den Hund holen. Wie fein, die Rettung naht. Es ist kalt, der Himmel ist hoch, und da sind vier Menschen um einen Hund besorgt, um ein Wesen in Not.<\/p>\n<p>Als Dieter da ist und den Hund begutachtet, wird er zur H\u00fcndin, Golden Retriever, ca. drei bis vier Jahre alt und sicher noch nicht lange von seinen Besitzern getrennt, so gut gen\u00e4hrt und so sch\u00f6n ist sein Fell. Seltsam nur, warum sie kein Halsband tr\u00e4gt. Ich w\u00fcsste so gern ihren Namen.<br \/>\nNeuerdings werden Hunde gechipt &#8211; wusstest du das mit dem Chip unter der Hundehaut? &#8211; und falls er registriert ist, l\u00e4sst sich seine Herkunft bald herausfinden. Hoffentlich hat ihn niemand ausgesetzt. Das \u00fcberlegen wir immer wieder.<\/p>\n<p>Dieter legt der H\u00fcndin eine Leine an. Sie l\u00e4\u00dft alles mit sich geschehen, macht aber keine Anstalten aufzustehen. Dieter und David m\u00fcssen das ersch\u00f6pfte, schwere Tier ins Auto heben. Anders geht es nicht. Ich rede ihr noch ein paar liebevolle T\u00f6ne zu &#8211; jetzt wird alles wieder gut, du hast es geschafft.<\/p>\n<p>Dieter, der selbst ganz verk\u00fchlt nur kurz\u00a0von seinem Krankenbett aufgestanden ist, f\u00e4hrt ab, zu Karin, der &#8222;Hundefl\u00fcsterin&#8220;. In bessere H\u00e4nde konnte die H\u00fcndin gar nicht kommen. Die beiden haben eine <a href=\"http:\/\/www.hundetraining.at\/web\/\" target=\"_blank\">Hundepension<\/a>, und die verlorene H\u00fcndin darf die n\u00e4chste Nacht bei ihnen bleiben. Am n\u00e4chsten Morgen wird man weitersehen. Entweder die Besitzer melden sich, oder es geht ins Tierheim.<\/p>\n<p>David und ich verabschieden uns, wir blieben im Kontakt. So eine Hunderettung verbindet irgendwie, und so eine Hundegeschichte braucht eine Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Ich steige ins Auto und nehme wieder Kurs auf daheim. Die M\u00fcdigkeit von vorhin ist wie weggeblasen, das Durchgefrorensein kein Problem.<br \/>\nEs tut so gut, das Richtige zu tun.\u00a0 Es tut so gut, zu helfen, Hilfe zu bekommen, einem Wesen in Not beizustehen. Ich weiss einmal mehr: <em>Daf\u00fcr<\/em> sind wir gemacht.<br \/>\nW\u00fcrde es sich sonst so richtig ansp\u00fcren? So Richtig durch und durch.<\/p>\n<p>****<\/p>\n<h2>Epilog<\/h2>\n<p>Diese Geschichte hab ich gestern nach dem Heimkommen noch aufgeschrieben. Schlie\u00dflich war ich nachmittags bei einer Schreibwerkstatt, das verpflichtet, \u00a0und literarisch l\u00e4sst sich Erfahrenes sehr gut aufarbeiten. Schriftlichkeit kl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Morgens wurde ich wach und dachte dar\u00fcber nach, wie es wohl w\u00e4re, einen Hund zu haben&#8230;. Was die zwei Enten Paul und Silva \u00a0in ihrem Paradies hier bei uns davon halten w\u00fcrden, und Gerhard mein Liebster, der keine Hundehaare in der Wohnung mag&#8230;<br \/>\nDoch dann l\u00e4utet das Telefon. Dieter mit Neuigkeiten. Sehr guten Neuigkeiten.<\/p>\n<p>Die H\u00fcndin, NALA ist ihr Name, sei eben abgeholt worden. Die beiden Besitzer w\u00e4ren \u00fcbergl\u00fccklich gewesen und Nala sicher noch mehr. Sie sei gestern von zu Hause weggelaufen, was sie sonst nie tue. Sie h\u00e4tten sie anfangs gar nicht vermisst. Sie d\u00fcrfte einen vorbeischwebenden Heissluftballon verfolgt haben und sich verirrt&#8230;<\/p>\n<p>So. Ich hoffe, du freust dich mit uns \u00fcber den Ausgang der Geschichte, mit Nala und ihren &#8222;Hundeeltern&#8220;, mit Karin, Dieter, mit mir und David. Mit David, der als erster gehandelt hat.<\/p>\n<p>*********<\/p>\n<p>und wenn dir das jetzt zu r\u00fchrselig ist und du noch nicht genug hast vom vielen Lesen, kriegst du noch eine Zugabe. Selbstgedichtetes von der Schreibwerkstatt, ein paar Sch\u00fcttelreime und ein Limerick:<\/p>\n<p><em><strong>Kassandra<\/strong><\/em><br \/>\nMeine Ahnung<br \/>\nwar eine Mahnung.<br \/>\n<strong><em><br \/>\nHeimvorteil<\/em><br \/>\n<\/strong>In der Steiermark<br \/>\nist der Meier stark.<\/p>\n<p><strong><em>Zierlich manierlich<br \/>\n<\/em><\/strong>Nur dann stepp ich,<br \/>\nwenn weg ist der Spanteppich.<\/p>\n<p><strong><em>Steigende Kerosinpreise<br \/>\n<\/em><\/strong>Dieser Tage geht eine Airline<br \/>\nnach der anderen leer ein.<\/p>\n<p><strong><em>Fernsehgewohnheiten<\/em><\/strong><br \/>\nDie Elke, die kommt aus Emmersdorf<br \/>\nda schaut sie den ganzen Tag nur ORF.<br \/>\nDabei gibt es auch Kabel,<br \/>\ndas ist doch blamabel<br \/>\ndass die Elke bloss schaut ORF in Emmersdorf.<\/p>\n<p>und eine Parodie auf &#8222;Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen..&#8220;, die TierfreundInnen gefallen wird. Womit sich der Kreis irgendwie schlie\u00dft&#8230;<\/p>\n<p><strong><em>Die Wahrheit vom Schweinsbraten<br \/>\n<\/em><\/strong>Die Wurst ist aufgehangen,<br \/>\ndie kleinen Schweinderl sprangen<br \/>\nmit grossen Augen weit und starr,<br \/>\ndas Kalb steht still und schweiget<br \/>\nund zu den Schl\u00e4chtern steiget<br \/>\nder Viehzeug grosse Schar.<\/p>\n<p>Na, vielleicht hat dir der Vers auch nicht gefallen. Sch\u00f6n makaber, wie er ist.<br \/>\nUnd jetzt lass ich es mit dem Schreiben eine Weile gut sein.<br \/>\nHinaus in den Garten, der Fr\u00fchling wartet!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die liebe Ilse von der ARGE Region Kultur hat Freitag und Samstag in Langenlois eine Schreibwerkstatt organisiert, und ich ging hin. Nora Aschacher und Dieter Berdel hoben uns bei diesem Seminar mit ihren vielf\u00e4ltigen SchreibAufgaben und netten Anleitungen in kreative H\u00f6hen. Eine sehr feine Sache. Rundum. 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