{"id":1316,"date":"2012-07-05T16:57:53","date_gmt":"2012-07-05T14:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=1316"},"modified":"2013-01-10T21:50:37","modified_gmt":"2013-01-10T19:50:37","slug":"fachkongress-zum-thema-achtsamkeit-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=1316","title":{"rendered":"Fachkongress zum Thema Achtsamkeit in Wien &#8211; eine ausgiebige Nachlese"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/xerl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1317\" title=\"xerl\" src=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/xerl.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"183\" \/><\/a>Letztes Wochenende (29.6. bis 1.7.2012) war das bisher heisseste dieses Jahres in Wien. Ich habe es gr\u00f6\u00dftenteils im (unklimatisierten) Festsaal der Akademie der Wissenschaften verbracht. Es war zum Schmelzen heiss. Doch\u00a0ich h\u00e4tte das Wochenende nirgendswo anders verbringen wollen.<br \/>\nKein Meeresstrand, kein schattiger Garten, kein Liegestuhl h\u00e4tte mich von diesem Ort weglocken k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Ausgebucht, trotz Hitze<\/h2>\n<p>Und mir ging es wie vielen anderen. Die 300 Pl\u00e4tze der vom <a href=\"http:\/\/www.arbor-seminare.de\/\" target=\"_blank\">Arbor Verlag <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.mbsr-mbct.at\" target=\"_blank\">MBSR Verband Austria <\/a>veranstalteten Konferenz waren schon lange ausgebucht, und die umfangreiche Warteliste zeigte die aktuelle Popularit\u00e4t des \u00a0Themas Achtsamkeit. MedizinerInnen, PsychotherapeutInnen und andere Interessierte aus aller Welt kamen zusammen, um sich \u00fcber die neuesten Forschungsergebnisse zu informieren. Sie wurden nicht entt\u00e4uscht.<br \/>\nDie Pr\u00e4sentationen waren gehaltvoll, kurzweilig vorgetragen und \u00fcberaus aufschlussreich. Wenn eine wie ich aufgrund eigener Erfahrung von der Wirksamkeit von Achtsamkeitspraxis \u00fcberzeugt ist,\u00a0 konnte sie hier viel Sachwissen und v.a. die wissenschaftliche Best\u00e4tigung und Legitimation daf\u00fcr finden. Das tut freilich gut.<\/p>\n<p>Als &#8222;Helferlein&#8220; im Organisationsteam hatte ich zwar alle H\u00e4nde voll zu tun, konnte daf\u00fcr aber einige ReferentInnen etwas n\u00e4her kennenlernen. Auch das eine spannende und bereichernde Erfahrung.<\/p>\n<p>Die Nachlese des arbor Verlags zur Veranstaltung findest du hier:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.arbor-seminare.de\/die-achtsamkeitswelle-breitet-sich-aus\">http:\/\/www.arbor-seminare.de\/die-achtsamkeitswelle-breitet-sich-aus<\/a>\u00a0\u00a0Beim Kongress\u00a0konnte eineR die einzelnen Vortr\u00e4ge auf DVD und CD zudem k\u00e4uflich bei <a href=\"http:\/\/www.auditorium-netzwerk.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.auditorium-netzwerk.de\/<\/a> erwerben. Hier ist eine <a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/achtsamkeitskongress.pdf\" target=\"_blank\">Programm\u00fcbersicht<\/a>, sodass du Namen und Titel der Vortr\u00e4ge im \u00dcberblick siehst.<\/p>\n<p>Im folgenden mag ich dir ein paar meiner\u00a0Eindr\u00fccke beschreiben. Eine Art Nachlese, bei der ich die Ereignisse auch f\u00fcr mich nochmals revue passieren lasse&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die Stars<\/h2>\n<p><strong>Jon Kabat-Zinn<\/strong> und <strong>Saki Santorelli<\/strong> (beide USA) waren die beiden popul\u00e4rsten Referenten. Schliesslich sind sie die V\u00e4ter des MBSR Konzepts, das nun bereits 30 Jahre lang in der Medizin angewendet wird, und bspw.\u00a0mittlerweile als wirksame Methode\u00a0in der\u00a0Schmerzbek\u00e4mpfung gilt. MBSR steht f\u00fcr <strong>Mindfulness Based Stress Reduction,<\/strong> ein Konzept, das ich auf dieser Website schon mehrmals erw\u00e4hnt und genauer beschrieben habe. Die gr\u00f6sste Datensammlung dazu gibt es an der Universit\u00e4t von Massachusetts im <a href=\"http:\/\/www.umassmed.edu\/cfm\/index.aspx\" target=\"_blank\">Center for Mindfulness<\/a>.<\/p>\n<p>Wie Jon es in seinem Referat zusammenfasste, hat Achtsamkeit regelrecht seinen\u00a0Siegeszug angetreten. Die Zahl der Buchtitel mit dem Ausdruck &#8222;mindfulness&#8220;\u00a0\u00a0steigt exponentiell an und lag 2011 bei etwa 400 St\u00fcck j\u00e4hrlich. Achtsamkeit wird in zunehmenden gesellschaftlichen Bereichen als hilfreich angesehen. So hat etwa der Kongressabgeordnete Tim Ryan ein Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Mindful-Nation-Practice-Performance-Recapture\/dp\/1401939295\" target=\"_blank\">A Mindful Nation<\/a>&#8220; verfasst, in welchem er sogar den amerikanischen Spirit mit Achtsamkeit wiederbeleben will. So heisst es im Untertitel: \u00a0&#8222;How a Simple Practice Can Help Us Reduce Stress, Improve Performance, and Recapture the American Spirit&#8220;.<br \/>\nAchtsamkeit als Universalheilmittel? Bei so viel Popularit\u00e4t ist m.E. auch angebracht, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben und sorgf\u00e4ltig zu pr\u00fcfen, was\u00a0diese Entwicklung mit Thema und VertreterInnen macht bzw. weiter\u00a0machen wird&#8230;\u00a0Vielleicht das Thema einer n\u00e4chsten Konferenz.<\/p>\n<p>Abgeleitet von MBSR ist mittlerweile auch schon MBCT (<strong>Mindfulness Based Cognitive Therapy<\/strong>) eine sehr bekannte Methode. Sie wurde von einem ihrer Begr\u00fcnder <strong>Mark Williams<\/strong> (University of Oxford) &#8211; einem \u00fcberaus reizenden Menschen &#8211; vorgestellt. Es handelt sich dabei nicht um eine Therapie im engeren Sinn, sondern um eine Prophylaxe f\u00fcr Menschen, die bereits fr\u00fcher an einer Depresson gelitten haben. Mit MBCT wird die R\u00fcckfallswahrscheinlichkeit deutlich reduziert. Genaueste Information dazu findest du beim <a href=\"http:\/\/oxfordmindfulness.org\/\" target=\"_blank\">Oxford Mindfulness Centre<\/a>. Mark hat auch das Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.arbor-verlag.de\/buch\/der-achtsame-weg-durch-die-depression\" target=\"_blank\">Der achtsame Weg durch die Depression<\/a>&#8220; geschrieben und spricht in einem kleinen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-8sCX2emO8c\" target=\"_blank\">Filmbeitrag auf youtube <\/a>\u00fcber seine Arbeit. Und Mark ist wirklich so nett, wie er aussieht.<\/p>\n<h2>Wunderbar konkret und hilfreich<\/h2>\n<p>Noch wenig bekannt ist der Ansatz von <strong>Nancy Bardacke<\/strong>:\u00a0\u00a0<strong>MBCP &#8211; Mindfulness-Based Childbirth and Parenting<\/strong>. (siehe dazu: <a href=\"http:\/\/www.mindfulbirthing.org\" target=\"_blank\">http:\/\/www.mindfulbirthing.org<\/a>) Doch wird auch diese Ann\u00e4herung einer achtsamen Geburtsvorbereitung mit Nancys\u00a0bald erscheinenden Buch popul\u00e4r werden. Zurecht. Nancy hat ein grossartiges Konzept f\u00fcr Eltern entwickelt, das sie in einem Curriculum von\u00a09 Wochen,\u00a08 Wochen vor der Geburt und einer Einheit nach der Geburt, vermittelt. In ihrem Workshop zeigte sie auch gleich, wie Frauen immer eine Spur anders arbeiten als M\u00e4nner. Da wurde f\u00fcr die 40 TeilnehmerInnen sogleich ein Sesselkreis aufgestellt und danach konnten wir die Kostprobe ihrer konkreten Vermittlung\u00a0&#8211; mit viel Partizipation der BesucherInnen &#8211; direkt erleben.\u00a0Nebenbei: Nancy h\u00e4lt ihre Kurse am liebsten daheim in ihrem Wohnzimmer.<\/p>\n<p>Als Hebamme (im englischen &#8222;Midwife&#8220;) verf\u00fcgt Nancy \u00fcber alles Fachwissen zu Schwangerschaft und Geburt. Sie\u00a0informierte uns\u00a0ganz genau \u00fcber die physiologischen Vorg\u00e4nge, wie sich die Zellen der Geb\u00e4rmutter ver\u00e4ndern, welche Hormone wann und wie aktiv werden, wieso Schmerzen entstehen und wann welcher Schmerz zu erwarten ist. Eine Entmystifizierung der Geburt sozusagen, die schwangeren M\u00fcttern sicher enorm gut tut. Nicht eine diffuse stundenlange Horrorgeschichte, die sie erwartet, sondern tief verstandene Vorg\u00e4nge, bei denen Schmerz\u00a0einsch\u00e4tz- und bew\u00e4ltigbar wird.<br \/>\nDie Motivation zur Achtsamkeitspraxis: Nicht nur wird der Schmerz ertr\u00e4glicher, sondern mittels einge\u00fcbter Achtsamkeit kann die Geb\u00e4rende zwischen den Wehen\u00a0die Wirkung des Hormons &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oxytocin\" target=\"_blank\">Oxytocin<\/a>&#8220;\u00a0 voll auskosten. Angeblich eine durchaus lustvolle Erfahrung. Wer h\u00e4tte das gedacht?<br \/>\nNancy hat bisher schon rund 70 Kurse gehalten, wobei sie Wert legt, immer auch die V\u00e4ter miteinzubeziehen. Es sind immer die Paare, die sich auf die Geburt vorbereiten, was der wachsenden Familie sicher gut tut.<br \/>\nZu Ende ihrer Pr\u00e4sentation im Plenum zeigte sie uns einen Film, in welchem ein Paar \u00fcber die unterschiedlichen Geburtserlebnisse ihres ersten\u00a0und &#8211; nach dem MBCT Kurs &#8211; zweiten Kindes erz\u00e4hlte. Ich habe selten so gl\u00fcckliche Eltern und ein so ber\u00fchrendes Interview gesehen. Wirklich sehr \u00fcberzeugend.<\/p>\n<h2>Wir sind, was (und wie) wir denken&#8230;<\/h2>\n<p>Besonders gefallen hat mir <strong>Rick Hansons<\/strong> Vortrag: &#8222;<strong>Mindfully Taking in the Good&#8220;<\/strong>. Rick ist Neuropsychologe und Autor des Bestsellers\u00a0&#8222;<a href=\"http:\/\/www.arbor-verlag.de\/buch\/das-gehirn-eines-buddha\" target=\"_blank\">Das Gehirn eines Buddha<\/a>&#8220; &#8211; Untertitel: Die angewandte Neurowissenschaft von Gl\u00fcck, Liebe und Weisheit. Ich freu mich schon, wenn ich die Zeit finde, seine Websites durchzusehen: Seinen Blog: <a href=\"http:\/\/www.rickhanson.net\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.rickhanson.net\/<\/a> und die Seite des vom ihm mitbegr\u00fcndeten &#8222;Wellspring Institute for Neuroscience and Contemplative Wisdom&#8220;: <a href=\"http:\/\/www.wisebrain.org\" target=\"_blank\">http:\/\/www.wisebrain.org<\/a>.<\/p>\n<p>Sein Ansatz basiert auf Neuroplastizit\u00e4t und zeigt auf, &#8222;wie wir unser Gehirn stimulieren und st\u00e4rken k\u00f6nnen, um zu erf\u00fcllenderen Beziehungen und zu einem st\u00e4rkeren Gef\u00fchl von innerem Vertrauen und Wert zu finden&#8220;.<\/p>\n<p>***Diese Herangehensweise gef\u00e4llt mir, ist es\u00a0schliesslich genau das, was ich mit meiner Wertsch\u00e4tzungsWebsite hier versuche. sic. ***<br \/>\nRick zeigte uns w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation ein paar feine \u00dcbungen, wie wir positive (Ziel)zust\u00e4nde \u00a0im K\u00f6rper sp\u00fcren und erinnern k\u00f6nnen und er endete mit den Worten zu einer hilfreichen Einstellung f\u00fcr unsere Achtsamkeitspraxis: &#8222;Keep Going&#8220;.<\/p>\n<h2>Meditation f\u00fcr SkeptikerInnen<\/h2>\n<p><strong>Ulrich Ott<\/strong> von der Uni Gie\u00dfen sprach \u00fcber &#8222;<strong>Neuronale Mechanismen der Achtsamkeit<\/strong>&#8222;, und obwohl ich zuvor dachte, keine Gehirnbilder mehr sehen zu wollen, war ich sehr angetan von seinen Erkl\u00e4rungen, Forschungsans\u00e4tzen und Studienergebnissen. Die Untersuchungen mit MRT (Magnetresonanztomographie)\u00a0 belegen, dass MBSR AbsolventInnen bzw. Meditierende u.a. mehr graue Substanz im Gehirn ausbilden und v.a. auch im Alter vergleichsweise geistigere Fitness\u00a0aufweisen.\u00a0&#8211; Das motiviert f\u00fcr die Praxis.<\/p>\n<p>Ott pl\u00e4dierte &#8211; und dabei spricht er mir ganz aus dem Herzen &#8211; f\u00fcr eine &#8222;Interdisziplin\u00e4re Forschung mit st\u00e4rkerem Einbezug der Erste-Person-Perspektive&#8220;. Er verwies auf die im Herbst kommende Berliner Konferenz &#8222;Wissenschaft und Meditation&#8220; sowie weitere Datensammlungen im Netz wie: <a href=\"http:\/\/meditation-wissenschaft.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/meditation-wissenschaft.org\/<\/a> und <a href=\"http:\/\/contemplativeresearch.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/contemplativeresearch.org\/<\/a>. Ist das nicht ein unglaublicher Fundus!<\/p>\n<p>Mehr Info zu Ulrich Otts (angenehmer) Person und Forschung findest du auf seiner <a href=\"http:\/\/www.uni-giessen.de\/cms\/fbz\/fb06\/psychologie\/weitere-inst\/bion\/ags\/agasc\/ott\" target=\"_blank\">Website<\/a>. Ausserdem hat er das Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buecher\/Meditation+f%C3%BCr+Skeptiker.7739308.html?ansicht=pressestimmen\" target=\"_blank\">Meditation f\u00fcr Skeptiker<\/a>&#8220; verfasst, in welchem er Forschungsergebnisse mit der Anleitung zur Meditationspraxis verbindet.<br \/>\nBleibt noch zu erw\u00e4hnen, dass <a href=\"http:\/\/www.nmr.mgh.harvard.edu\/~britta\/\" target=\"_blank\">Britta H\u00f6lzl <\/a>(USA), die als Coreferentin des Vortrags angek\u00fcndigt war und deren Forschung ebenso zitiert wurde, ihr Kommen leider kurzfristig abgesagt hat.<\/p>\n<p>Eine von Ulrich Otts Anregungen habe ich mitgenommen: Hast du schon mal versucht, all deine 10 Zehen zu sp\u00fcren? Bei der grossen Zehe gelingt das ja ganz gut, aber kannst du auch\u00a0jede der anderen Zehen einzeln f\u00fchlen? &#8211; Gelingt es dir? &#8211; Ich bin noch am \u00dcben \ud83d\ude42<\/p>\n<h2>Freiburg &#8211; ein Zentrum der Achtsamkeitsforschung<\/h2>\n<p>2009 hatte ich bereits die Achtsamkeitskonferenz\u00a0 in Freiburg besucht und kannte daher bereits die bahnbrechende Arbeit der dort ans\u00e4ssigen Uniklinik.<\/p>\n<p><strong>Stefan Schmidt<\/strong> , der Leiter des Forschungsschwerpunkts &#8222;Achtsamkeit, Mediation und Neuropyhsiologie&#8220; am Universit\u00e4tsklinikum Freiburg, sprach \u00fcberaus kurzweilig zum Thema: &#8222;<strong>Forschung zu klinischen Aspekten der Achtsamkeit &#8211; was wissen wir heute wirklich<\/strong>?&#8220; Neben grunds\u00e4tzlichen Erkl\u00e4rungen zu Forschungsdesigns und\u00a0Logik klinischer Studien, gab er eine \u00dcbersicht zu Anwendungsfeldern in den Bereichen Schmerz, Krebs, Angst und Depression.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sites.google.com\/site\/webstefanschmidt\" target=\"_blank\">Stefan Schmidt<\/a>, ein junger sympathischer Mann, lehrt zudem. in einem <a href=\" http:\/\/kwkm.eu\/info\" target=\"_blank\">Masterstudiengang in Komplement\u00e4rmedizin<\/a> und hat vor kurzem ein\u00a0 neues Buch im Springer Verlag \u00a0publiziert: <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/psychology\/neuropsychology\/book\/978-94-007-2078-7\" target=\"_blank\">Walach, Schmidt, &amp; Jonas: Neuroscience, Consciousness &amp; Spirituality<\/a><\/p>\n<p>Neben den Studien, die die unterschiedliche Wirksamkeit von Achtsamkeit belegen, wagte Stefan Schmidt in seinem Vortrag auch den soziologischen Blick: Warum ist Achtsamkeit\u00a0so\u00a0\u00a0popul\u00e4r? war seine Ausgangsfrage, die er wunderbar schl\u00fcssig mit dem Hinweis auf \u00a0\u00dcberangebot, zunehmende Beschleunigung, Funktionalit\u00e4t und Individualisierung beantwortete. Der Mensch sei einfach f\u00fcr das Ausmass der stattfindenden Ver\u00e4nderung nicht geschaffen. Wir k\u00f6nnen dem Tiger vielleicht einmal erfolgreich davonlaufen, aber nicht zwei Monate lang..<\/p>\n<p>Witzig sein selbst angestellter Geschwindigkeitsvergleich eines alten und neuen\u00a0Kinderfilms: &#8222;Shaun das Schaf &#8220; ist um den Faktor 22,5 schneller geschnitten als der kleine gem\u00fctliche &#8222;Michel aus L\u00f6nneberga&#8220; unserer Kindertage!!<\/p>\n<h2>Achtsamkeit als Selbstregulation der Gesellschaft?<\/h2>\n<p>Das von Schmidt zitierte Buch von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hartmut_Rosa\" target=\"_blank\">Hartmut Rosa <\/a>&#8222;Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung&#8220; steht schon auf meiner Leseliste. Rosa beschreibt u.a. die Paradoxie, dass technische Beschleunigung nicht Zeit spare, sondern im Gegenteil immer\u00a0mehr Zeitdruck erzeuge, dem sich der\/die Einzelne nicht entziehen kann. Depression, die Volkskrankheit unserer Moderne, sei als der &#8222;pathologische Ausstieg aus der Beschleunigung&#8220; zu sehen.<br \/>\nDie Funktionaliserung w\u00fcrde alle Lebenswelten betreffen (kein Tun mehr ohne Ziel), neue Kommunikationsmedien verdichteten zeitlich und r\u00e4umlich den Lebensalltag&#8230;<br \/>\nSoweit der Befund der gesellschaftlichen Dynamik. Was hat das nun mit Achtsamkeit zu tun?<\/p>\n<p>Die Praxis der Achtsamkeit mit seiner immanenten\u00a0Entschleunigung, Nicht-Intentionalit\u00e4t und Impulskontrolle erm\u00f6gliche den\u00a0R\u00fcckzug aus dieser kollektiven Entwicklung. Schmidts These:\u00a0Die Popularit\u00e4t der Achtsamkeit k\u00f6nne als eine Art Selbstregulation der Gesellschaft gesehen werden.<br \/>\nAllerdings auf individueller Ebene. Was es br\u00e4uchte, seien vielmehr kollektive Ans\u00e4tze, eine kulturelle Verankerung von Achtsamkeit, eine Kultur des Bewusstseins und der Mu\u00dfe.<\/p>\n<p>Ja, diese Ausf\u00fchrungen machen Sinn. Sie haben mir \u00e4usserst gut gefallen. Was sagst du dazu?<\/p>\n<p>So, jetzt muss ich langsam zum Ende kommen. Du siehst, wie begeistert ich von der Tagung war, dass ich so gar kein Ende mit meiner Nachlese finde.<\/p>\n<h2>Not to forget<\/h2>\n<p>Dabei w\u00e4re da noch unbedingt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giselher_Guttmann\" target=\"_blank\"><strong>Giselher Guttmanns<\/strong> <\/a>Auftritt zu erw\u00e4hnen &#8211; einem \u00f6sterreichischen Pionier der Bewusstseinsforschung, der bereits vor Jahrzehnten mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felicitas_Goodman\" target=\"_blank\">Felicitas Goodman<\/a> Trancezust\u00e4nde erforscht hat.<\/p>\n<p>Auch <strong>Andreas Remmels<\/strong> Vortrag war h\u00f6chst h\u00f6renswert: War der Beginn eher grundlegend philosophisch, so ging es im zweiten Teil seiner Ausf\u00fchrungen um die konkrete Anwendung von Achtsamkeit in der Psychomatischen Medizin und Psychotherapie. Das von Andreas\u00a0Remmel geleitete \u00a0<a href=\"http:\/\/www.pszw.at\/\" target=\"_blank\">Psychosomatische Zentrum Waldviertel <\/a>liegt ja ganz nah an meinem Wohnort, und ich kann aus eigener Erfahrung best\u00e4tigen, dass hier \u00e4usserst innovative Wege in Therapie und Heilung begangen werden.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Tagung bildete <strong>Saki Santorellis<\/strong> Pr\u00e4sentation &#8211; oder besser Performance, in der er sich h\u00f6chst kreativ mit &#8222;<strong>The Ongoing Formation of MBSR Teachers<\/strong>&#8220; auseinandersetzte. Daf\u00fcr bekam er u.a. standing ovations von dem bis zuletzt aufmerksamen Publikum.<\/p>\n<p>Sakis letztes Wort war\u00a0<em>das<\/em> Zauberwort der Tagung. Es lautete: &#8222;<strong>Embodiment&#8220;<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Was glaubst du wohl, warum?<\/p>\n<p>Wenn du diesen langen Beitrag wirklich bis hierher durchgelesen hast, dann verrate ich dir auch, warum ich als Leitbild dieses Artikels die Smaradgeidechse gew\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p>Ich habe mir wenig von den vielen Er\u00f6rterungen \u00fcber unser Gehirn gemerkt und will das auch gar nicht. Eines aber will ich mich erinnern: Unser Gehirn besteht aus drei Ebenen, sehr vereinfacht ausgedr\u00fcckt, dem Menschen-, S\u00e4ugetier- und Reptiliengehirn. Und diesen innersten Teil des Reptiliengehirns finde ich zur Zeit am faszinierendsten. Ich m\u00f6chte diese in mir verk\u00f6rperte Verbindung in die Urzeit des Lebens genauer kennenlernen. Ich denke, dass sich damit vieles entdecken und auch integrieren l\u00e4sst. Mal sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Wochenende (29.6. bis 1.7.2012) war das bisher heisseste dieses Jahres in Wien. Ich habe es gr\u00f6\u00dftenteils im (unklimatisierten) Festsaal der Akademie der Wissenschaften verbracht. Es war zum Schmelzen heiss. Doch\u00a0ich h\u00e4tte das Wochenende nirgendswo anders verbringen wollen. Kein Meeresstrand, kein schattiger Garten, kein Liegestuhl h\u00e4tte mich von diesem Ort weglocken k\u00f6nnen. 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