{"id":21,"date":"2010-04-26T19:16:07","date_gmt":"2010-04-26T17:16:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=21"},"modified":"2010-07-16T16:49:10","modified_gmt":"2010-07-16T14:49:10","slug":"schlecht-drauf-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=21","title":{"rendered":"Schlecht drauf sein&#8230; Krisen wertsch\u00e4tzen??"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind nicht immer gut drauf. \u00c4ussere oder innere oder unbekannte Faktoren lassen uns manchmal die Welt ganz d\u00fcster sehen. Dann n\u00fctzt es wenig zu sagen: Aber sieh doch, in welcher F\u00fclle du lebst! Schau doch nur, wie alles da ist, was du brauchst! Sei dankbar f\u00fcr das Potential, das da ist! Nein, in solchen Zeiten kann derartige gut gemeinte Aufforderung sogar ziemlich zynisch ankommen. KeineR ist freiwillig in diesem Tief und w\u00fcrde sie oder er ein taugliches Mittel kennen, sich wieder freier und leichter zu f\u00fchlen, dann h\u00e4tte sie\/er es schon angewendet.<\/p>\n<p><!--more-->Was kann helfen in diesen Phasen?<br \/>\nErstens einmal in kleinen und vorsichtigen Schritten vorgehen und sehr sehr nett zu sich sein. Wenn das Fenster-Putzen schon 3 Wochen\u00a0auf der Liste steht und jedes Mal durch die Scheiben schauen den giftigen inneren Vorwurf ausl\u00f6st: &#8222;Und die Fenster sind ja\u00a0auch noch total dreckig&#8220;, dann hast du hier eine grossartige Gelegenheit gener\u00f6s zu sein in der Krise. &#8222;Gut, ich erlaube mir jetzt, die Fenster nicht zu putzen.&#8220; ist die adaequate Reaktion.\u00a0W\u00fcrdest du deine beste Freundin in Zustand der D\u00fcsternis\u00a0mit banalen Putzarbeiten nerven? Nein, also warum dich selbst? Echte Priorit\u00e4ten setzen ist gefragt. Es bleiben noch genug andere \u00f6de Dinge zu tun, die keinen Aufschub dulden.<\/p>\n<p>Wenn dir was Peinliches &#8211; oder deiner Meinung nach &#8211; Peinliches passiert, cool reagieren. Der ersten bitteren Selbstverurteilung antworten: Stimmt, ich habe jetzt die Vorrangregel missachtet und w\u00e4re fast mit dem roten Auto zusammengestossen. Das war echt ein Fehler. Ich bin zur Zeit nicht sehr achtsam, und ich muss mehr aufpassen. Doch diesen Fehler verzeihe ich mir.<br \/>\nW\u00fcrdest du deinem besten Freund nicht auch derart tr\u00f6stend zureden, wenn ihm sowas passiert ist?\u00a0Oder du denkst dir: Morgen um die gleiche Zeit hab ich das Hoppala schon vergessen, also kann es nicht sooo wichtig sein, wie es gerade scheint. Was ist zur Zeit wirklich wichtig? Sei grossz\u00fcgig.<\/p>\n<p>Die Krise konstruktiv sehen. Warum nicht? Wenn sie nun schon da ist&#8230; Sollen wir ihr dann noch einen Widerstand draufsetzen? Mit dem Finger in der Wunde bohren? Also warum die Dinge nicht so sehen wie&#8230;.<\/p>\n<p>Negative Gef\u00fchle wollen uns etwas mitteilen. Wut, \u00c4rger, Unlust oder Unruhe, die wir eben erfahren,\u00a0sind ein Signal, ein Indikator daf\u00fcr, dass die Dinge in irgendeinem Bereich schief laufen. Negative Gef\u00fchle sind wie Schmerzen des Geistes. &#8222;Aua&#8220; schreit der Geist, &#8222;das kann so nicht bleiben, so geht das wirklich nicht! Das ist ganz gegen meine Prinzipien. Schluss damit!&#8220; Manchmal wissen wir, was es ist,\u00a0manchmal nicht. Manchmal k\u00f6nnen wir die Dinge \u00e4ndern, manchmal nicht. Meine Erfahrung ist, dass oft schon das Hinschauen und Bewusstwerden die Verwicklung lockert bzw. aufl\u00f6st.\u00a0Erkennen ist ein Wundermittel.<br \/>\nGleichzeitig kann die Frage nach dem &#8222;Warum gehts mir grad so schlecht? Warum bloss, warum, warum?&#8220; auch Krise-Hauptverst\u00e4rker Nummer 1 sein und uns im Kreis gehen lassen.\u00a0Wir finden einfach nicht heraus, was uns zuwiderl\u00e4uft. Dann ist es besser zu warten und sich selbst wie die beste Freundin\/den besten Freund zu behandeln. Lass dir Zeit. Das geht vorbei. Du wirst schon sehen, dass die Sache einen Sinn hat. Manchmal kommt das erst im Nachhinein heraus. Jahre danach..<\/p>\n<p>Vielleicht bist du ja hypersensibel* und irgendwas in dir reagiert auf Vulkanausbr\u00fcche oder monatelange Wirtschaftskrisenrhetorik. Du bist ein ganz besonderer Mensch und als solcher machst du auch besondere Lebensphasen durch. Solch Erkl\u00e4rung stimmt den angeschlagenen Ego vielleicht positiv. Depression ist angeblich nichts anderes als Narzismus, bloss in die andere Richtung. Das Selbst ist Zentrum der Welt in der Krise. Nichts ist schlimmer als diese Krise. jetzt. bei mir.<\/p>\n<p>Achte\u00a0in d\u00fcsteren Zeiten gut darauf, was du an deinen Geist heranl\u00e4sst. Nachrichten und schwere Filme sind nicht die richtige Geistnahrung. &#8211; Du w\u00fcrdest deinem empfindlichen Magen ja auch keinen fetten Schweinsbraten zumuten. \u00dcberlege, wen du triffst und wen du besser in dieser empfindlichen Phase nicht treffen solltest.\u00a0 Ich w\u00fcnsche dir von Herzen, dass du entscheiden kannst, mit wem du Umgang hast. Leider haben wir da nicht immer die Wahl. Obwohl wir zumeist mehr Freiheiten haben, als wir zugeben wollen. Wenn wir in \u00f6den Partnerschaften oder Arbeitsverh\u00e4ltnissen stecken, so sind wir dazu ja auch nicht zwangsverpflichtet. In diesem Fall sollten wir sehen, warum wir weiter dabei bleiben, wo unser (versteckter) Gewinn liegt. Sicheres Einkommen und abendliche Ansprache haben vielleicht mehr Wert f\u00fcr dich, als dir klar ist. Wenn du dir diese Faktoren klar machst, kommst du mehr in die Selbstverantwortung als wenn du dich als Opfer siehst. Meiner Ansicht nach sind die meisten Krisen selbst gestrickt und werden dann oftmals getarnt als Fremdverschulden. &#8222;Opfer sucht Zerst\u00f6rer&#8220; ist eine beliebte Strategie.<br \/>\nWenn du eben in einer &#8222;fremdverschuldeten&#8220; Krise bist, willst du das vielleicht gar nicht h\u00f6ren.\u00a0Eine derart sensible Aufarbeitung kann vielleicht auch besser warten auf g\u00fcnstigere Zeiten. Sowas braucht wirklich Auseinandersetzung mit den eigenen Bed\u00fcrfnissen &#8211; und Kraft.<\/p>\n<p>Andererseits kann auch falsch verstandene Selbstverantwortung\u00a0zum Problem werden. Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass unsere Gedanken unsere Gef\u00fchle verursachen und unsere Stimmungen bestimmen. Die Gedanken in eine hilfreiche Richtung (abzu)lenken, ist also durchaus ein erfolgversprechender Ansatz. Aber manchmal ist das innere Kuddelmuddel viel zu gross und haben wir nicht einmal die Chance,\u00a0unseren Gedanken zuzuh\u00f6ren, geschweige denn, sie zu \u00e4ndern. (Das ist ja auch in guten Zeiten schwierig.)\u00a0 Wir haben \u00fcber manche Dinge einfach\u00a0keine Kontrolle.\u00a0Und \u00fcber das Loslassen schon gar nicht&#8230; Was nicht heisst, dass wir das nicht immer wieder versuchen und \u00fcben sollten. Aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>Eine andere konstruktive Sichtweise ist das Bild von einem Strudel im Strom. Er hat dich hineingezogen und zieht dich nach unten, immer tiefer und tiefer. Je mehr du herumstrampelst und k\u00e4mpfst, umso mehr hat dich die Kraft im Griff. Wenn du dich dagegen ruhig verh\u00e4ltst, dann zieht es dich direkt nach unten. Ganz unten angekommen, st\u00f6sst es dich wieder nach oben. Ganz von allein.<\/p>\n<p>Und bis jetzt ist jede Krise auch wieder\u00a0vergangen und eines Morgens oder nach einem Gespr\u00e4ch schaut die Welt wieder freundlicher aus. \u00a0Und du wunderst dich, was du da die ganze Zeit herumgetan hast, so missmutig und bleiern und schwer. Ist ja alles in Ordnung, so wie es ist! So schlimm ist es wirklich nicht!<br \/>\n&#8211; Du solltest nicht zu schnell zur Tagesordnung zur\u00fcckkehren. Vergiss nicht ihre Kraft. Habe Respekt vor deinen Krisen. Sie sind sicher gut f\u00fcr irgendetwas. Auch wenn du es jetzt noch nicht weisst.\u00a0 Vielleicht sind sie sogar die wichtigsten Wegweiser in deinem Leben.<\/p>\n<p>*Die Frage, ob du hypersensibel bist oder nicht,\u00a0ist nicht zynisch gemeint. Manche Menschen sind offener als andere, und das ist auch gut so. Ob du eine HSP (hypersensible Person) bist oder nicht, kannst du testen auf <a href=\"http:\/\/www.zartbesaitet.net\/\">http:\/\/www.zartbesaitet.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind nicht immer gut drauf. \u00c4ussere oder innere oder unbekannte Faktoren lassen uns manchmal die Welt ganz d\u00fcster sehen. Dann n\u00fctzt es wenig zu sagen: Aber sieh doch, in welcher F\u00fclle du lebst! Schau doch nur, wie alles da ist, was du brauchst! Sei dankbar f\u00fcr das Potential, das da ist! 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