{"id":2242,"date":"2014-03-20T23:16:53","date_gmt":"2014-03-20T21:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=2242"},"modified":"2014-04-01T10:02:08","modified_gmt":"2014-04-01T08:02:08","slug":"%e2%80%9efremd-anders-und-allein-hospiz-und-palliative-care-abseits-des-mainstreams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=2242","title":{"rendered":"\u201eFremd, anders und allein \u2013 Hospiz und Palliative Care abseits des Mainstreams\u201c  &#8211; eine Nachlese"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/foto-054.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2243\" title=\"foto 054\" src=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/foto-054-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/foto-054-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/foto-054-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/foto-054.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Am 8.3.14 war ich beim Symposium des Mobilen Hospiz Horn (wie <a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=2113\" target=\"_blank\">hier <\/a>bereits im J\u00e4nner angek\u00fcndigt)\u00a0 und m\u00f6chte noch ein paar Erinnerungen zusammenfassen, bevor sie in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Da es online vom (unabh\u00e4ngigen) Verein\u00a0des Mobilen Hospiz Horn eine <a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/index.php\/veranstaltungen\/symposium\/s2014\" target=\"_blank\">Nachlese <\/a>gibt, die wunderbarerweise sogar die Vortragsfolien umfasst (ich werde sie bequemerweise f\u00fcr dich direkt verlinken), werde ich bloss ein paar subjektive <!--more-->Eindr\u00fccke zusammenschreiben.<\/p>\n<p>Als ehrenamtliche Mitarbeiterin war ich schon morgens bei der Registrierung aktiv und konnte so miterleben, wie die rund 270 BesucherInnen &#8211; \u00fcberwiegend weiblich &#8211; nach und nach eintrafen. Die meisten kamen von Hospizgruppen bzw. Palliativstationen aus Nieder\u00f6sterreich, obwohl einige auch von weiter her anreisten, aus Wels oder Salzburg. Besonders erfreulich war der Besuch der vielen Sch\u00fclerInnen aus diversen (Kranken)Pflegeschulen. Ich hatte den Eindruck, die jungen Leute waren wirklich mit grossem Interesse bis zum Schluss dabei. Dabei war Samstag, der 8.3. (nicht nur Frauentag) auch ein wunderbar sch\u00f6ner Sonnentag!<\/p>\n<h2>Kleine Seelenv\u00f6gel<\/h2>\n<p>Der erste Programmpunkt war eine Vorf\u00fchrung von kleinen Sch\u00fclerInnen einer nahe gelegenen Volksschule. Die\u00a0 Kinder f\u00fchrten einen <strong>Seelenvogeltanz<\/strong> vor und ihren konzentrierten und hingebungsvollen Bewegungen zu folgen,\u00a0 war wirklich herzbewegend (hier ein paar <a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/index.php\/aktuelles\" target=\"_blank\">Fotos<\/a>). Ich weiss nicht, ob nur ich dazu angeregt wurde, zu denken:\u00a0 Diese Kinder stehen so am Anfang ihrer Geschichte, wirken so begeisterbar und unbeschwert, irgendwie sind sie Symbol f\u00fcr das Wunder des Leben selbst. Allein ihnen zuzuschauen in ihrer Vielfalt und Buntheit, wie sie sich zu immer neuen Figuren zusammenfanden, sich an den H\u00e4nden hielten und umarmten, war eine grosse Freude. Und bei all dem diese Sammlung und Ernsthaftigkeit!<\/p>\n<h2>Er\u00f6ffnung<\/h2>\n<p>Nach der Er\u00f6ffnung durch die sympathische<strong> VereinsObfrau Roswitha Helwig<\/strong>, begr\u00fcsste uns der <strong>B\u00fcrgermeister<\/strong> der Stadt Horn <strong>J\u00fcrgen Maier<\/strong>.\u00a0 Die OrganisatorInnen wurden namentlich vorgestellt und erhielten einen kr\u00e4ftigen Applaus, v.a. <strong><strong>Koordinatorin<\/strong> Christine Zeiner<\/strong>, die die Schl\u00fcsselstelle im Verein innehat und ihre Rolle wirklich ideal ausf\u00fcllt &#8211; nicht nur bei der Organisation der Tagung.<\/p>\n<h2>Am Vormittag vier Vortr\u00e4ge<\/h2>\n<p><strong>\u00a0 Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer<\/strong> (Wien): \u201eKinder und Jugendliche als pflegende Angeh\u00f6rige &#8211; Einsicht in die Situation gegenw\u00e4rtiger und ehemaliger Kinder und Jugendlicher in \u00d6sterreich\u201c (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/1_Hanna_Mayer.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>H\u00e4ttest du gewusst, dass viele Kinder ihre Eltern pflegen? Ein Tabuthema, \u00fcber das es bis zur vorgestellten Studie in \u00d6sterreich kaum Daten gab. An schweren (Krebs)Krankheiten leidende M\u00fctter oder auch psychisch kranke Eltern werden von ihren Kindern emotional aber auch mit anderen Hilfestellungen unterst\u00fctzt. Kein einfaches <!--more-->Erwachsenwerden, doch die Kinder tun vieles und sind v.a. stark belastet von der Angst, ihre Familie zu verlieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr pflegende Kinder und Jugendliche gibt es eine neue grossartige Website: <a href=\"http:\/\/www.superhands.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.superhands.at<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0 Dr. Gertrude Bogyi<\/strong> (Wien): \u201eTrauer bei Kindern und Jugendlichen\u201c (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/2_Horn_Trauer_bei_Kindern_und_Jugendlichen.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen Kinder den Tod von Angeh\u00f6rigen erfassen?\u00a0 Ab welchem Alter gibt es welche Vorstellungen und welche Verarbeitungsweisen? Wie unsinnig ist es, Kindern aus falscher R\u00fccksichtnahme zu erz\u00e4hlen, der Opa sei eingeschlafen? &#8211; was dazu f\u00fchren kann, dass Kinder Schlafprobleme entwickeln!\u00a0 Wie schwierig ist es f\u00fcr Jugendliche, ihre Trauer zu zeigen, und wie schwierig f\u00fcr ihre Familie, sie zu verstehen und zu unterst\u00fctzen. Alles in allem ein sehr spannender Vortrag, der generell\u00a0 zeigte, wie sonderbar wir in unserer Gesellschaft mit dem Thema Sterben umgehen. &#8222;Gef\u00fchlsstarke Erwachsene w\u00e4ren eine grosse Hilfe&#8220; so ein Satz, den ich mir aufgeschrieben habe. Und noch ein paar weitere sch\u00f6ne Zitate:<\/p>\n<p>&#8222;Man sollte dem Anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, damit er hineinschl\u00fcpfen kann, und nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen&#8220;! (Max Frisch)<\/p>\n<p>&#8222;Trauer ist der Prozess der Anpassung an die Verluste unseres Lebens.&#8220; (Viorst 1986)<\/p>\n<p>\u201eTrauern ist eine gesunde, lebensnotwendige und kreative Reaktion auf Verlust und Trennungsereignisse. &#8220; (Canacakis 1992)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>\u00a0 Nora Musenbichler (Graz)<\/strong>: \u201eLeben und Sterben am Rande der Gesellschaft \u2013 Lebensbegleitung bis zuletzt in der Obdachloseneinrichtung winziDorf\u201c (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/3_Praesentation_Hospiz_Horn.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>Menschen, die ganz unten gelandet sind, erhalten im Container-winziDorf ein neues Daheim, werden zu Br\u00fcdern und nennen ihre BetreuerInnen Mama und Papa. Sie brauchen nichts von ihrer Vergangenheit zu erz\u00e4hlen, d\u00fcrfen weiter ihren Alkohol trinken und werden akzeptiert, wie sie sind. Allein diese Umst\u00e4nde sind einen tiefen Seufzer Wert:\u00a0 Dass es so etwas gibt!<\/p>\n<p>Und die Br\u00fcder des winziDorfs haben am Grazer Friedhof\u00a0 ihren eigenen Bereich &#8222;gemma ham&#8220; mit schr\u00e4g gelegten Kreuzen und Grabsteinen, die von den Mitbewohnern gemeinsam gestaltet werden. Eine wirklich sch\u00f6ne Geschichte, von Nora Musenbichler glaubw\u00fcrdig und authentisch erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0 Mehmet Isik<\/strong> (St. P\u00f6lten): \u201eTod in der Fremde\u201c (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/4_Tod_Im_Fremde.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>Wie schwierig ist die Lage f\u00fcr Menschen, die eigentlich dachten, nur f\u00fcr einige ArbeitsJahre nach \u00d6sterreich zu kommen und nun alt und krank hier sterben! Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, ihre Kultur und Rituale zu ber\u00fccksichtigen in den Spit\u00e4lern und auf den Friedh\u00f6fen? Das Thema war wirklich ein seltener Einblick in eine unbekannte Lebenswelt, die doch so nah ist.<br \/>\nDie Wortmeldung einer &#8211; muslimischen &#8211; Besucherin bei der abschliessenden Diskussion zeigte dar\u00fcber hinaus, wie sensibel diese Thematik ist, wie verletzbar die Menschen reagieren, wenn Zusammenh\u00e4nge vermeintlich missverst\u00e4ndlich dargestellt werden. Ich konnte dem Wortwechsel des Referenten und der Diskutantin gar nicht wirklich folgen. Wo war das Problem, was die Kl\u00e4rung? So fremd ist diese Welt.<\/p>\n<p>Die <strong>Mittagspause<\/strong> wurde zur St\u00e4rkung,\u00a0 zum Austausch und zur Erholung genutzt. Es war sch\u00f6n, dieses Gesumse an Stimmen und guter Laune zu erleben. Ich sass beim Essen neben Martin Schenk, dessen Artikel in diversen Zeitschriften ich immer sehr gern lese. Eine gute Gelegenheit, mich als &#8222;Fan&#8220; zu outen und etwas mehr von den Hintergr\u00fcnden der Armutskonferenz zu erfahren.<\/p>\n<h2>Nachmittags Vortrag, Festrede und Podiumsdiskussion<\/h2>\n<p><strong>Dipl. Rehap\u00e4d. Evelyn Franke<\/strong> (D): &#8222;Die Doppelrolle von Menschen mit geistiger Behinderung im palliativen Kontext&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/5_Evelyn_Franke.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>Auch diese Vortragende, eigens aus Magdeburg angereist, kam sehr gut an mit ihrer konkreten und anschaulichen Herangehensweise. Wie k\u00f6nnen psychisch eingeschr\u00e4nke Personen den Tod wahrnehmen, und wie gehen sie mit Trauer um? Wunderbar, wie Frau Franke ein normales Arztgespr\u00e4ch dekonstruierte, und aufzeigte, wie Fehler mit unverst\u00e4ndlichen Begriffen und Bildern vermieden werden k\u00f6nnten. Als ob sie uns eine Fremdsprache lehren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Festrede durch Mag. Martin Schenk<\/strong> (<a href=\"http:\/\/www.mhospizhorn.at\/download\/s2014\/6_Vom%20Geschmack_des_Vertrauens_horn.pdf\" target=\"_blank\">Vortragsfolien online<\/a>)<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick war gar nicht gleich zu erkennen, welchen Zusammenhang Martin Schenks Vortrag mit dem Tagungsthema hatte, denn er sprach kaum \u00fcber Sterben und Tod. Er sprach \u00fcber das Leben, auf das wir ungleich zur\u00fcckschauen, je nachdem&#8230; Er sprach \u00fcber Armut und Ungleichheit. Einkommen und Bildung. Er sprach \u00fcber den &#8222;<strong>Geschmack des Vertrauens<\/strong>&#8222;. Welch wunderbarer Vortragstitel!<\/p>\n<p>Du solltest dir die Folien anschauen, wo es zum Beispiel heisst:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wo wir gestalten k\u00f6nnen, Anerkennung erfahren und sozialen Ausgleich erleben, dort spielen wir mit,<br \/>\ndort w\u00e4chst Zukunft.<br \/>\nDoch wie l\u00e4uft das Spiel zur Zeit?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wusstest du von den empirischen Zusammenh\u00e4ngen der \u00f6konomischen Ungleichheit mit sozialen und gesundheitlichen Problemen? Dass in L\u00e4ndern mit zunehmender Ungleichheit das Vertrauen zu den Mitmenschen abnimmt? Martin sprach davon, wie Einkommen und Geld mit Anerkennung und Respekt verbunden sei und Armut dagegen mit Besch\u00e4mung. Besch\u00e4mung sei die beste soziale Waffe der h\u00f6her Gestellten gegen die unteren Schichten. Das werde ich mir merken.<\/p>\n<p>Wie auch die Geschichte &#8222;Was dachte der Brieftr\u00e4ger?&#8220;, die das &#8222;Jig Saw Experiment&#8220; beschreibt.\u00a0 Ein Experiment, das beweist, wie einfach Kinder Kooperation und Empathie lernen k\u00f6nnen, sobald die Lehrmethoden ver\u00e4ndert werden.<br \/>\nAlles in allem ein besonders wertvoller Blick auf lebensbestimmende Faktoren, die wir auch schon in der Schule h\u00e4tten lernen sollen..<\/p>\n<h2>Zum Abschluss<\/h2>\n<p>gab es eine <strong>Podiumsdiskussion<\/strong> mit ReferentInnen und Fragen aus dem Publikum, bevor die Moderatoren das <strong>Schlusswort<\/strong> sprachen und Obfrau Roswitha Helwig (v\u00f6llig passend) das letzte Wort haben wollte (und sehr wertsch\u00e4tzend Christine Zeiner zum runden Geburtstag gratulierte!).<br \/>\nRoswitha Helwig meinte, sie h\u00e4tte an diesem Tag einiges an neuen Perspektiven gewonnen. Und ich muss sagen, damit traf sie auch genau den Punkt f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Ich werde nach diesem Tag vieles mit anderen Augen sehen. Klarer und mit mehr Verst\u00e4ndnis.\u00a0 Zu bestimmten alten Sichtweisen gibt es kein Zur\u00fcck mehr.<br \/>\nIst das nicht genau das, was eine Veranstaltung bewirken sollte?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8.3.14 war ich beim Symposium des Mobilen Hospiz Horn (wie hier bereits im J\u00e4nner angek\u00fcndigt)\u00a0 und m\u00f6chte noch ein paar Erinnerungen zusammenfassen, bevor sie in Vergessenheit geraten. 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