{"id":995,"date":"2012-01-20T18:42:53","date_gmt":"2012-01-20T16:42:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=995"},"modified":"2012-01-20T22:39:15","modified_gmt":"2012-01-20T20:39:15","slug":"meine-hochachtung-fur-mignon-mein-mitgefuhl-fur-george","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/?p=995","title":{"rendered":"Meine Hochachtung f\u00fcr Mignon, mein Mitgef\u00fchl f\u00fcr George"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/mignon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-996\" title=\"mignon\" src=\"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/mignon.jpg\" alt=\"\" width=\"135\" height=\"179\" \/><\/a>Durch Zufall &#8211; aber was ist schon Zufall? &#8211; hab ich vor kurzem dieses besondere Buch in die H\u00e4nde bekommen:<\/p>\n<h3><em>Elisabeth Fraller, George Langnas (Hrsg.)<br \/>\n<\/em><a>Mignon<\/a><br \/>\nTageb\u00fccher und Briefe einer j\u00fcdischen Krankenschwester in Wien 1938-1949<\/h3>\n<p>Allein die pers\u00f6nlichen Vor- und Nachworte ber\u00fchren dich, doch das ist nichts gegen die direkte Erfahrung in die vergangene Welt dieser Frau einzutauchen. Sobald du in Mignons Briefe und Tagebuchaufzeichnungen hineinliest, binden dich die Worte zur\u00fcck in den Alltag einer der schrecklichsten UnmenschlichkeitsPhasen des letzten Jahrhundert.\u00a0Gleichzeitig bewegst du\u00a0dich an derart vertrauten Orten wie den Gassen und Strassen im 2. Wiener Bezirk. Es ist so nah und so weit weg zugleich, so unvorstellbar und doch so wahr.<\/p>\n<p>Es ist erstaunlich, wie diese mutige Frau ihre Erfahrungen beschreibt und wie sie Mensch bleibt, obwohl eine ihr nicht verdenken k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie das ihr eigene Mitgef\u00fchl und differenzierte Denken aufgeben. Mignon verbrachte die Nazizeit in Wien in einem j\u00fcdischen Krankenhaus &#8211; auch dass und warum es ein solches gab,\u00a0ist ein Hinsehen Wert. Ihr Ehemann und ihre Kinder &#8211; Sohn George mit 4 und Tochter Manuela\u00a0mit 6 Jahren konnten rechtzeitig vor 1939 in die USA fliehen. Mignon blieb in Wien, um ihre betagten Eltern nicht alleine zu lassen. Wie durch ein Wunder \u00fcberlebt sie die Nazizeit und die Bombardierungen der letzten Kriegstage\u00a0und reist 1946 ihrer Familie in die USA nach. Wo sie allerdings bereits nach 4 Jahren stirbt.<!--more--><\/p>\n<p>Ihr Sohn George Langnas verliert seine Mutter zum ersten Mal mit 4 Jahren, sieht sie nach 7 Jahren wieder und verliert sie ein zweites Mal im Alter von 14.\u00a0\u00a0Erst als Erwachsener erh\u00e4lt er die Briefe und Tageb\u00fccher seiner Mutter\u00a0und kann sie nicht lesen, weil er kein Deutsch versteht. In seinem Vorwort schreibt er, seine Eltern und Verwandten h\u00e4tten\u00a0\u00fcber die Vergangenheit nur geschwiegen. Das Schweigen war unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Mit mehr als 60 Jahren schon ein reifer Mann\u00a0beauftragt er die \u00d6sterreicherin Elisabeth Fraller, das Material seiner Mutter aufzuarbeiten. Elisabeth vertieft sich 3 Jahre lang in die Arbeit, macht das Projekt ganz zu ihrem, findet weitere verschollene Briefe, interviewt ZeitzeugInnen und\u00a0kombiniert Fotos und Texte in sorgf\u00e4ltigster Art und Weise zu einem grossen Werk. 2010 kommt das Buch im Studienverlag heraus.\u00a0Hier findest du die <a href=\"http:\/\/www.studienverlag.at\/page.cfm?vpath=buecher\/buchdetail&amp;titnr=4960\" target=\"_blank\">genaue Beschreibung<\/a>.<\/p>\n<p>In weiterer Folge wird in einer gek\u00fcrzten Version ein Taschenbuch entstehen, das u.a. f\u00fcr den Unterricht an Schulen eingesetzt werden soll. Wie gut. Wie wichtig.<\/p>\n<p>Wie mich einerseits die Lebensgeschichte dieser Frau ber\u00fchrt, so bewegt mich auch die ungeschriebene Lebensgeschichte ihres Sohnes Georges. Wie muss es sein, mit 4 Jahren aus dem vertrauten Umfeld und von deiner Mutter getrennt zu werden?, wie wird einer 8, 10, 12 Jahre mit dieser Geschichte? Wie sieht das Wiedersehen aus mit einer fremd gewordenen Mutter, die nach all diesen furchtbaren Erfahrungen und fremd geworden wieder bei dir ist? Und kaum hattest du die Chance, sie\u00a0kennen zu lernen, wird sie krank und stirbt. Keine Geschichte zu ihrem Schicksal, keine Erinnerungen an ihre\u00a0Zeit und erst\u00a0so viel sp\u00e4ter die Briefe und Tageb\u00fccher&#8230;\u00a0<\/p>\n<p>Was wir als St\u00fcck Zeitgeschichte aufnehmen, ist f\u00fcr George Biografie, ist die Geschichte seiner Kindheit und all des Ungewissen. Was muss das f\u00fcr ihn bedeuten &#8211; der Blick auf das vielleicht unverst\u00e4ndliche Leben seiner Mutter in einer fremden Stadt, in einer unbekannten Kultur, in einer unverst\u00e4ndlichen Sprache?<br \/>\nIch w\u00fcnsche George, dass er mit diesem Projekt einige\u00a0seiner Wurzeln finden konnte\u00a0und Frieden in den Antworten auf viele seiner Fragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch Zufall &#8211; aber was ist schon Zufall? &#8211; hab ich vor kurzem dieses besondere Buch in die H\u00e4nde bekommen: Elisabeth Fraller, George Langnas (Hrsg.) Mignon Tageb\u00fccher und Briefe einer j\u00fcdischen Krankenschwester in Wien 1938-1949 Allein die pers\u00f6nlichen Vor- und Nachworte ber\u00fchren dich, doch das ist nichts gegen die direkte Erfahrung in die vergangene Welt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,24],"tags":[],"class_list":["post-995","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einfach-schon","category-umgang-mit-konflikten-und-krisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=995"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1009,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995\/revisions\/1009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schule-der-wertschaetzung.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}