Die Geschichte mit dem verlorenen Handy…
Ja, diese Geschichte sollte ich wirklich nicht vergessen zu erzählen. Beim „persönlichen Jahresrückblick“ ist sie als besonders erfreuliches Ereignis des Jahres 2010 wieder aufgetaucht.
Was war passiert?
Ich fuhr letzten Herbst mit dem Zug nach Wien, stieg in Heiligenstadt aus und kaum war ich die Stufen hinunter und der Zug abgefahren, fiel mir auf, dass ich mein Handy im Zug liegengelassen hatte. Schmarrn. In Windeseile fuhr ich per Ubahn zum Endbahnhof, und fand dort auch tatsächlich den benutzten Zug wieder. Aber- da war kein Handy mehr. Jemand musste es mitgenommen haben.
Die Erfahrung mit der von der ÖBB ausgelagerten „Lost and Found Stelle“ lasse ich lieber aus. Die Strukturen sind ein Witz und zeigen einmal mehr, wie die Servicequalität von Organisationen durch kosteninduzierte Auslagerungen eklatant abnimmt. Trotzdem erwähnenswert: einer der Herren von „mungo“ benahm sich sehr hilfsbereit, ging mit mir einige Züge durch und borgte mir sogar sein Handy für einen kurzen Telefonanruf.
Ich rief mein Handy an, es war abgedreht.
Da ich einen persönlichen Code habe und mein Handy somit gesperrt ist, kann kein Mensch es benutzen, – kann es aber auch nie weder zu mir zurückkommen. Mein altes abgegriffenes Handy, ein Handy der ersten Generation, wertlos für andere, für mich mit all den eingespeicherten Telefonnummern eminent wichtig. Für immer verloren!
2 Tage irrte ich in Wien auf der Suche nach funktionierenden Telefonzellen herum und war überrascht, wie teuer Telefonieren vom Fest- in die Mobilnetze ist.
Wieder daheim läutet 3 Tage nach dem Verlust das Festnetztelefon und meldet sich ein Herr mit der Frage: Haben Sie ein Handy verloren?
Herr E., Ehemann von Frau E., die das Handy aus dem Zug mitheimgenommen hatte (ihre schlechten Erfahrungen mit lost and found vor ein paar Monaten seien der Grund dafür gewesen, es nicht abzugeben) ist ein einfallsreicher Mann. Er hatte die SIM Karte aus meinem Handy mit seiner eigenen ausgetauscht und bekam damit Zugang zu den aufs Telefon gespeicherten Telefonnummern. Darunter fand er die Nummer, die auf „Vati“ gespeichert war und rief meinen Vater an, ob denn eins seiner Kinder ein Telefon vermisse. Zufällig hatte ich eine Stunde zuvor mit meinem Vater telefoniert und so wusste er bescheid und gab Herrn E. meine Festnetznummer.
So eine Freude!!
Herr E. schickte mir das Telefon innerhalb der nächsten Tage per Post zu. Ich bedankte mich mit der Zusendung eines Geschenksgutscheins und einer Einladung. Falls Herr und Frau E. einmal in der Gegend seien, würde ich mich freuen… Darauf kam eine wunderschöne Karte von Frau E. mit einer Gegeneinladung zurück. Nun, auch zu Weihnachten haben wir einander herzlich geschrieben und ich werde demnächst einmal vorbeischauen bei den beiden.
Mein sehr geschätztes Handy ist wieder bei mir, und es gibt eine nette Geschichte mehr zu erzählen. Sie lehrt, dass jemandem zu helfen so unglaublich viel Freude auslösen und verbreiten kann. Bei sich selbst, bei der Person, der geholfen wird, bei den Menschen, die die Geschichte erzählt bekommen… Etwas, das sich ausbreiten kann und Netze spinnt und Blüten hervorbringt… und dabei war das auslösende Ereignis so irritierend. Interessant oder?
Eugen Roth hat dazu einen schönen Spruch:
Ein Mensch blickt zurück und sieht, sein Unglück war sein Glück.