Mein aktuelles Lieblingsbuch

Nie zuvor habe ich ein leichteres, weiseres und humorvolleres Geschichten-Buch gelesen, als das von Ajahn Brahm: Die Kuh, die weinte.

Was kann ich davon erzählen?

Gleich in der ersten Geschichte erzählt Brahm, wie er in jungen Jahren eine Mauer baute, mit der er nicht zufrieden war, weil 2 Ziegeln schief lagen. Und wie er es jahrelang vermied, die Mauer herzuzeigen, und bei jedem Hinsehen nur die 2 schiefen Ziegeln sah und sich darüber ärgerte. Eines Tages jedoch bewunderte ein Besucher diese Mauer, und machte ihn auf die anderen, die 98  perfekt sitzenden Ziegel aufmerksam. Diese für ihn prägende Einsicht zieht  Brahm als Metapher auch in anderen Geschichten durch das Buch. Er stellt dabei immer wieder die Frage: Welche Steine siehst du in deiner Mauer, die schiefen oder die perfekten?

Die Geschichten sind nicht frei erfunden, sondern Begebenheiten aus dem Leben des Autors, der aus Grossbritannien stammt und aktuell ein buddhistisches Kloster (der Theravada Tradition)  in Australien leitet. Dieser Mann geht mit einer Leichtigkeit an die Höhen und Tiefen des modernen Lebens heran, die dich mitnimmt und schweben lässt. Auch kannst du immer wieder laut mitlachen. Wenn Brahm nach einer Reihe von Skandalen um die Missachtung des Zölibats  z.B. bei einem öffentlichen Vortrag seinem Publikum das Geständnis macht, er – als zolibatärer Mönch – hätte in den Armen einer verheirateten Frau gelegen und sie hätten sich geküsst und geherzt und er hätte es sehr genossen. Um danach in die schreckensgeweiteten Augen seiner AnhängerInnen zu blicken und ihnen zu sagen, dass die Frau seine Mutter war und er ein Baby. Und sie sollten sich überlegen, wie schnell und oberflächlich sie eben ein Konzept und Urteil aufgebaut hätten.

Sehr berührend  ist die Geschichte, nach der das Buch benannt ist: die Kuh, die weinte. Sie handelt von einem Gefängnisinsassen, der dem Gefängnis“seelsorger“ Brahm die Geschichte seiner „Umkehr“ erzählt. Der Häftling hatte im Gefängnisschlachthof die Aufgabe gewählt, die Tiere zu töten, da man damit gut Aggressionen abbauen konnte. Die Tiere spürten ihren nahenden Tod und mussten  allesamt voller Angst und in Panik zur Schlachtbank gezwungen werden. Doch eines Tages kam eine Kuh ganz ruhig und freiwillig auf ihn zu und sah ihn nur ernst an – und in ihren Augen hätten sich Tränen gebildet. Das hat sein Herz dermassen berührt, und von da an hätte er kein Tier mehr töten können und sein Leben hätte sich gewandelt. – Brahm schreibt das viel spannender als ich das jetzt kann..

Die Geschichten sind kürzer und länger und nach Themen geordnet wie „Perfektion und Schuldgefühle“, „Liebe und Verbindlichkeit“ oder „Weisheit und innere Ruhe“. Sie werden als „buddhistische“ Geschichten bezeichnet, doch ich finde das Etikett entbehrlich. Es sind Geschichten aus dem Leben, aus deinem, meinem und unserem Leben. Geschichten über Themen, die das Mensch Sein betreffen und nichts mit einer religiösen Orientierung zu tun haben.

Mach dir eine Freude und lies dieses Buch.

Ajahn Brahm: Die Kuh, die weinte. Lotos Verlag 2009. Gebundene Ausgabe, 239 Seiten. ca 15 Euro.

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