Ein wunderbarer Film über Alzheimer
Wir haben uns zufällig bei einer Veranstaltung kennengelernt. Wir sind nebeneinander gesessen und ins Gespräch gekommen. Meine erste Frage galt der DVD, die auf dem Tisch lag. Die Antwort auf diese Frage ließ uns nicht lange bei Small Talk verweilen, die Antwort brachte uns schnell in ein tiefes, wertvolles und inniges Austauschen über Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben.
Neben mir sass Ulli Halmschlager, professionelle Filmmacherin, die einen Film über ihre an Alzheimer erkrankte Mutter gedreht hatte. Neben ihr Andrea, ihre Schwester, die im Film vor der Kamera eine der Hauptrollen spielt.
Alzheimer ist eine Krankheit, über die viel gesprochen wird. Was aber bedeutet sie wirklich? Der Film zeigt ohne Lärm und Drama, wie schwierig es im Leben werden kann. Für die erkrankte Frau, die ihre Verwirrung anfangs noch selbst realisiert, für die Töchter, die langsam aber sicher und noch zu ihren Lebzeiten Abschied nehmen müssen von der Persönlichkeit ihrer Mutter. Die Entscheidungen zu treffen haben für Pflege und Betreuung und Alltag. Für die Frauen aus dem Osten, die mit Hingabe und Geduld die vielen kleinen Handgriffe, die vielen Stunden der Tage und Nächte der Pflege leisten. Die Beziehung schaffen und Würde geben.
Der Film zeigt im Laufe von Jahren den Verlauf der Krankheit, die Höhen und Tiefen, die Aufregungen und Freuden, und das Dahinschwinden eines Menschen, langsam und ohne Hoffnung auf Rückkehr.
Schwierig…
Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden, um den Film zu beschreiben. Er strahlt Ruhe und Selbstverständlichkeit aus und handelt dabei von einer so abgrundtiefen Geschichte. So also sieht Alltag aus, wenn Menschen daheim krank sein dürfen, in ihren eigenen Wänden, ihrer vertrauten Umgebung. Die alte Frau anfangs noch im Garten, auf Spaziergängen, zu Hause beim Essen, später im Rollstuhl, dann bettlägrig, zunehmend versteinert, in ihrer Welt unerreichbar. Ein Lichtblick, wie ein kleines Mädchen, die Tochter einer Pflegerin, in unglaublicher Unbeschwertheit mit der alten kranken Frau umgeht, um sie herumtanzt, sie berührt, sie anlacht. Was könnten wir davon lernen… Und wie gut täte es unseren Kranken und Sterbenden, so fröhliche und leichte Luft atmen zu dürfen. Warum nehmen wir es bloß so schwer, wieder gehen zu müssen. Wie schwer ist es, unsere Liebsten leiden zu sehen.
Was wird alles nicht gezeigt? Die Verwirrung im Geist, die Abgründe der Angst, das Nicht-Wissen, wie es weitergeht, die langen Nächte, die Überforderung aller Beteiligten, das Ringen um Würde, wenn alles anders und nichts mehr selbstverständlich ist. Ausnahmezustand, und das über Jahre. Auch das verstehst du, wenn du den Film ansiehst. Musik und Kommentare sind aussagekräftig, einfühlsam und gut gewählt. Gerade richtig.
Grosses Danke
Wie schön ist dieses Porträt gelungen, wie liebevoll wird darin das Andenken der Mutter bewahrt, wie so leicht und treffend eine Frauengeschichte ihrer Zeit vermittelt. Einer Frau, die zwei Töchter grossgezogen und ihnen ein so viel weiteres Leben ermöglicht hat, als sie es führen konnte. Wie wichtig ist dieses Dokument für alle, die die Krankheit Alzheimer genauer kennenlernen wollen. V.a. dieses Unspektakuläre, dieses Selbstverständliche, dieses Ruhige tun so gut.
Diese kostbaren Projekte, abseits der Marktschreierei der Medien, wie schön, dass es sie gibt! Grosses Danke an Ulli und Andrea Halmschlager für diesen Film und diese Geschichte. Schön, wie die Aufarbeitung von eigenen traurigen Geschichten, anderen Kraft geben kann. So wachsen wir alle.
Hier kannst du dir die DVD bestellen und dich genauer informieren:
http://www.ilsewobistdu.at/

