Diese Presseaussendung scheint mir so interessant und wichtig, dass ich sie 1 zu 1 wiedergeben möchte. Ich werde nur einzelne Stellen fett hervorheben:

Presseaussendung: Die Forderungen der ECVC zum Internationalen Tag des kleinbäuerlichen Widerstands

In der Woche vor dem Internationalen Tag des kleinbäuerlichen Widerstands (17. April) unterstreicht die Europäische Koordination Via Campesina (ECVC), dass Europa mehr Bauern und Bäuerinnen braucht, um wirklich nachhaltige Lebensmittelsysteme zu erreichen und ruft politische Entscheidungsträger*innen, die Öffentlichkeit und Bauern und Bäuerinnen gleichermaßen dazu auf, Ernährungssouveränität zu vertiefen.

In einem offenen Brief an die EU-Kommission und europäische Politiker*innen, die für die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) verantwortlich sind, betont die Europäische Koordination Via Campesina (ECVC) zusammen mit einer breiten Allianz aus bäuerlichen Organisationen, NGOs, Gewerkschaften und Wissenschafter*innen die Schlüsselrolle von Klein- und Mittelbetrieben für die Lösung der aktuellen sozialen, ökologischen und ernährungsbezogenen Krisen. Sie fordern ein, dass die EU-Politiken in dieser entscheidenden Phase dazu beitragen müssen, dass es mehr Bauern und Bäuerinnen gibt.

Wir sind in der entscheidenden Phase der GAP-Verhandlungen im Trilog, in den Nationalen Strategieplänen, für den Vorschlag für eine Klimagesetz und für die Farm-to-Fork- und Biodiversitätsstrategie. Es ist nun an der Zeit, die Ziele durch konkrete Maßnahmen kohärent in die Tat umzusetzen. Diese müssen auf folgende Bereiche fokussieren:

  • Widerstandsfähigkeit und Resilienz durch Ernährungssouveränität durch eine Regulierung von Agrar- und Lebensmittelmärkten stärken.
  • Eine kohärente GAP nach 2020 ausarbeiten, die faire Preise, menschenwürdige Lebensbedingungen für Bauern, Bäuerinnen und Arbeiter*innen durch bessere Gesetze und Standards für Landwirtschaft und Umwelt garantiert.
  • Die Klimakrise durch die Unterstützung von kleinbäuerliche agrarökologische Landwirtschaft bekämpfen und dazu beitragen, dass es mehr Bauern und Bäuerinnen am Land gibt.
  • Vorrang für Innovationen in den Händen von Bauern und Bäuerinnen statt teure, folgenschwere und privatisierte digitale Technologien.
  • Konsequente Aufrechterhaltung der aktuellen Regulierung zu gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) und die Anerkennung des bäuerlichen Rechts auf Saatgut in der zukünftigen Saatgutrechtsreform.
  • Die Regeln für die internationale Handelspolitik mit Bezug auf die Landwirtschaft grundlegend überarbeiten, einschließlich des Stopps der Verhandlungen für neue neoliberale Handelsabkommen.
  • Land darf nicht als Ware behandelt werden, stattdessen muss der Zugang zu Land für die Jugend, für Neueinsteiger*innen und für kleinbäuerliche agrarökologische Landwirtschaft gefördert werden.
  • Das Versprechen, „niemanden zurückzulassen” durch die Implementierung des Europäischen Green Deal und durch die Anerkennung, den Schutz und die Erfüllung der Rechte von Bäuer*innen und anderen Menschen, die in ländlichen Gebieten arbeiten (UNDROP) umsetzen.

Die derzeitige industrielle Nahrungsmittelkette verbraucht mindestens 75% der weltweiten landwirtschaftlichen Ressourcen und ist eine Hauptquelle für Treibhausgasemissionen, versorgt aber nur weniger als 30% der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln [i]. Ein nachhaltiges Nahrungsmittelsystem braucht daher mehr Kleinbauern und -bäuerinnen. Nur so lässt sich die derzeitige Konzentration von Macht, Kontrolle und Land und das Nahrungsmittelsystem überwinden, das den Bauern und Bäuerinnen ein faires und angemessenes Einkommen und den EU-Bürger*innen den Zugang zu frischen, gesunden, qualitativ hochwertigen, lokal erzeugten und erschwinglichen Nahrungsmitteln verwehrt.

Die ECVC hat durch Mitteilungen an die europäischen Institutionen (siehe Offener Brief an die Europäische Kommission hier) und eine neue Serie von Infografiken und eine Vielzahl von Berichten und Videos die Schlüsselrolle der kleinen und mittleren Bauern und Bäuerinnen bei der Lösung der aktuellen sozialen, ökologischen und ernährungsbezogenen Krisen aufgezeigt. Diese Rolle ist besonders relevant im Zusammenhang mit den alternden Bauern und Bäuerinnen in Europa, die bald massenhaft in den Ruhestand gehen werden [ii] und im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie, die die Fragilität der globalen Lebensmittelversorgungskette deutlich gemacht hat.

Wie Andoni Garcia Arriola, Mitglied des ECVC-Koordinationskomitees, betonte, muss der Internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstands die Aufmerksamkeit auf die Risiken für die Gesundheit, das Leben in ländlichen Gebieten und die Ernährungssicherheit sowie die fehlende Ernährungssouveränität im derzeitigen System richten: “Es ist nicht möglich, die biologische Vielfalt zu erhalten und den Klimawandel zu bewältigen und gleichzeitig den Kontinent mit frischen, gesunden, lokalen, nahrhaften und sicheren Lebensmitteln zu versorgen, wenn die politischen Entscheidungen unserer Institutionen Modelle begünstigen, die das Agrobusiness und die Produktivität über Gesundheit und Nachhaltigkeit stellen.”

Morgan Ody, ebenfalls Mitglied des ECVC-Koordinierungskomitees, forderte: “Die EU muss kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe stärker unterstützen und sich bemühen, mehr Bauern und Bäuerinnen in die europäische Landwirtschaft einzubinden – durch konkrete Maßnahmen im Green Deal, in der Farm to Fork- und Biodiversitätsstrategie und in der GAP. Sie muss aufhören, die großflächige, exportorientierte industrielle Landwirtschaft zu begünstigen.”

[i] Aus: ETC-Group (2017) “Who will feed us?”. “The Chain uses more than 75% of the world’s agricultural land and in the process annually destroys 75 billion tonnes of topsoil and controls the market environment that cuts down 7.5 million hectares of forest. Further, the Chain accounts for at least 90% of agriculture’s fossil fuel use (and GHG emissions) and at least 80% of freshwater use, and leaves us with a bill of $12.37 trillion (for food and damages). It also leaves 3.9 billion people underfed or malnourished.”

[ii] Eurostat, (October 2019) https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Agriculture_statistics_-_family_farming_in_the_EU&oldid=467588#Farm_managers_by_age.

Den Artikel findet ihr hier: https://www.eurovia.org/europe-needs-more-farmers-ecvcs-demands-for-the-international-day-of-peasant-struggles/

Den offenen Brief an die Europäische Kommission mit allen Unterzeichner*innen findet ihr hier:

Hashtags: #17April2021 | #PeasantsRightsNow